Unfallchirurgie · Patientenwissen
Radiuskopffraktur – Bruch am Ellenbogen
Der Radiuskopf bildet das obere Ende der Speiche am Ellenbogen. Er ist für das Drehen des Unterarms und die Stabilität des Gelenks wichtig. Ein Bruch entsteht häufig beim Abfangen eines Sturzes mit der Hand. Die Behandlung reicht von früher vorsichtiger Bewegung bis zur operativen Stabilisierung.
Bewegung, Belastung, Arbeit und Sport
Direkt zur passenden Nachbehandlung ↓Den Ellenbogen und mögliche Begleitverletzungen untersuchen
Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, Schwellung und Schwierigkeiten beim Beugen, Strecken oder Drehen des Unterarms sind typische Beschwerden. Die Untersuchung prüft neben dem Radiuskopf auch die Stabilität, Nervenfunktion und Durchblutung. Schmerzen im Unterarm oder Handgelenk sollten ausdrücklich angesprochen werden: Ein Radiuskopfbruch kann Teil einer umfangreicheren Verletzung sein.
Röntgenaufnahmen bilden die Grundlage der Diagnostik. Bei komplexen Brüchen kann eine Computertomografie die Bruchstücke genauer darstellen. Besteht der Verdacht auf Bandverletzungen, werden ergänzende Untersuchungen gezielt eingesetzt. Entscheidend ist auch, ob die Bewegung nur schmerzbedingt eingeschränkt oder durch ein Knochenstück mechanisch blockiert ist.
Früh bewegen – wenn der Bruch dafür geeignet ist
Ein unkomplizierter, ausreichend stabiler Radiuskopfbruch ohne bedeutsame Verschiebung oder Bewegungsblockade kann häufig ohne Operation behandelt werden. Eine Schlinge oder Schiene kann anfangs Schmerzen lindern. Die Ruhigstellung bleibt bei diesen Verletzungen möglichst kurz, weil der Ellenbogen zur Einsteifung neigt.
Nach ärztlicher Anleitung beginnen vorsichtige aktive Beuge-, Streck- und Drehbewegungen im erlaubten Bereich. Bewegung wird nicht erzwungen. Diese Empfehlung gilt nicht uneingeschränkt bei Instabilität, Bandverletzungen oder weiteren Brüchen: Dann sind Schutzpositionen, Bewegungsgrenzen oder eine längere Stabilisierung erforderlich. Kontrolltermine prüfen den Verlauf.
Operative Möglichkeiten
Eine Operation kann bei mechanischer Blockade, instabilem Gelenk oder bestimmten verschobenen und mehrteiligen Brüchen erforderlich sein. Dabei werden rekonstruierbare Bruchstücke mit kleinen Schrauben, gegebenenfalls einer Platte, zusammengefügt. Bei einem stark zerstörten, nicht zuverlässig rekonstruierbaren Radiuskopf kann ein künstlicher Ersatz erwogen werden.
Begleitende Bandverletzungen müssen in die Planung einbezogen werden. Die Entscheidung richtet sich deshalb nicht allein nach dem Röntgenbild oder einer Typenbezeichnung. Ziel ist ein möglichst stabiler Ellenbogen, der sich früh kontrolliert bewegen lässt. Nutzen, Risiken und Alternativen werden anhand des individuellen Befunds besprochen.
Beweglichkeit aufbauen, Belastung schützen
Nach konservativer wie operativer Versorgung wird der Bewegungsumfang regelmäßig kontrolliert. Physiotherapie und angeleitete Eigenübungen können helfen, die Beweglichkeit zurückzugewinnen. Nach einer Operation oder Bandversorgung gilt der dafür festgelegte Plan; eine Orthese kann bestimmte Bewegungen begrenzen.
Frühe Bewegung bedeutet keine Freigabe für Gewichte. Heben, Tragen, kräftiges Ziehen und Abstützen über die Hand werden erst schrittweise erlaubt. Zeitpunkt und Umfang hängen von Bruchheilung, Stabilität und Begleitverletzungen ab. Eine verbleibende Streckhemmung oder anhaltende Schmerzen sollten bei der Verlaufskontrolle angesprochen werden.
Zurück in Beruf, Straßenverkehr und Sport
Für die Arbeitsfähigkeit sind die tatsächlichen Anforderungen entscheidend: Tippen, Werkzeuggebrauch und schwere körperliche Arbeit brauchen unterschiedliche Belastbarkeit. Autofahren setzt sicheres Lenken, ausreichende Armfunktion und unbeeinträchtigte Reaktion voraus; besprechen Sie den Wiedereinstieg individuell. Sport wird nach wiedergewonnener Beweglichkeit, Kraft und Stabilität aufgebaut. Stütz-, Wurf- und Kontaktsport benötigen eine gesonderte Beurteilung.
Warnzeichen ernst nehmen
Neue Gefühlsstörungen, eine kalte oder blasse Hand, zunehmende starke Schmerzen oder eine neue Fehlstellung erfordern sofortige medizinische Abklärung. Auch eine neu auftretende Bewegungsblockade muss kontrolliert werden. Bei Fieber, Wundrötung oder Sekret nach einer Operation ist rasch ärztlicher Rat nötig. Akute Notfälle gehören in die Notfallambulanz beziehungsweise zur Rettung unter 144 – warten Sie nicht auf einen regulären Ordinationstermin.
- AO Surgery Reference: Nonoperative treatment – Radius, partial articular
- Universitätsklinikum Heidelberg: Ellenbogenbrüche
- Universitätsklinikum Heidelberg: Verletzungen des Ellenbogens
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Knochenbruch
Informationsstand: Oktober 2026. Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine persönliche Untersuchung oder individuelle Freigabe.
Ihre Beschwerden persönlich besprechen.
Untersuchung, Befundbesprechung und ein nachvollziehbarer Plan.
