Sportorthopädie · Patientenwissen
Sehnenbeschwerden im Sport: Belastung gezielt anpassen
Sehnen übertragen die Muskelkraft auf den Knochen. Wiederholte Belastungen können Beschwerden verursachen, etwa an der Achillessehne oder der Patellarsehne unterhalb der Kniescheibe. Eine schmerzhafte Sehnenveränderung wird als Tendinopathie bezeichnet. Sie benötigt eine andere Behandlung als ein akuter Sehnenriss.
Bewegung, Belastung, Arbeit und Sport
Direkt zur passenden Nachbehandlung ↓Welche Beschwerden passen zu einer Tendinopathie?
Typisch sind örtliche Schmerzen bei oder nach Belastung und eine Druckempfindlichkeit entlang der Sehne oder an ihrem Ansatz. Auch Anlaufschmerz und Steifigkeit können auftreten. Eine plötzliche Steigerung des Trainingsumfangs kann ein Auslöser sein; ebenso spielen individuelle Belastbarkeit und frühere Beschwerden eine Rolle.
Nicht jede schmerzende Sehne ist ausschließlich entzündet. Der Begriff Tendinopathie beschreibt verschiedene Veränderungen und Funktionsstörungen. Ein plötzliches Schnalzen mit deutlichem Kraftverlust muss dagegen an eine akute Verletzung denken lassen und rasch abgeklärt werden.
Untersuchung mit Blick auf Training und Alltag
Besprochen werden Schmerzverlauf, Trainingsänderungen, berufliche Belastungen, Vorerkrankungen und Medikamente. Die Untersuchung prüft den genauen Schmerzort, Beweglichkeit und Kraft. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob der Sehnenansatz, der Sehnenverlauf oder benachbarte Strukturen betroffen sind.
Ultraschall kann die Sehne und ihre Umgebung darstellen. Bei speziellen Fragestellungen kommen Röntgen oder MRT hinzu. Bildgebende Veränderungen werden im Zusammenhang mit den Beschwerden bewertet; die passende Belastung lässt sich nicht allein aus einem Bild ableiten.
Die Belastung passend dosieren
Meist beginnt die Behandlung konservativ. Schmerzverstärkende Belastungsspitzen werden reduziert und geeignete Bewegungsformen vereinbart. Eine komplette Sportpause ist nicht in jeder Situation nötig. Ob vorübergehend stärker entlastet werden muss, hängt von Beschwerden und Befund ab.
Ein individuell angepasstes Kraftprogramm ist ein wichtiger Bestandteil. Übungen, Bewegungsumfang und Steigerung richten sich nach der betroffenen Sehne. Ein Übungsprogramm für Beschwerden im mittleren Abschnitt der Achillessehne lässt sich beispielsweise nicht unverändert auf Schmerzen am Fersenansatz übertragen.
Ergänzende Maßnahmen wie Schuh- oder Trainingsanpassungen werden gezielt ausgewählt. Medikamente oder andere Verfahren können in bestimmten Situationen unterstützen. Ihr Nutzen und ihre Risiken sind je nach Sehne und Verfahren unterschiedlich; sie ersetzen keinen abgestimmten Belastungsaufbau.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei anhaltenden erheblichen Beschwerden trotz angemessen durchgeführter konservativer Behandlung wird die Diagnose überprüft. Erst danach lässt sich beurteilen, ob ein operatives Verfahren sinnvoll sein könnte. Bei einem akuten Sehnenriss gelten andere Kriterien: Lage, Ausmaß, verbleibende Funktion und persönliche Anforderungen bestimmen die Entscheidung.
Nicht jeder Sehnenriss muss operiert werden. Falls eine Operation angezeigt ist, werden die passende Versorgung und der anschließende Schutz der Sehne individuell geplant. Auch nach einem Eingriff bleibt eine längere Rehabilitation notwendig.
Mobilisation, Arbeit und Sport
Bei einer Tendinopathie wird meist eine verträgliche aktive Belastung aufgebaut. Nach einem Riss oder einer Operation können dagegen Orthesen und verbindliche Bewegungs- oder Belastungsgrenzen erforderlich sein. Diese Vorgaben dürfen nicht durch eigenständiges Dehnen oder Training übergangen werden.
- Arbeit: Wiederholtes Heben, Treppensteigen oder langes Stehen fließen in die Belastungsplanung ein.
- Sport: Kraft und Kontrolle werden vor schnellen, federnden oder explosiven Belastungen aufgebaut. Umfang und Intensität steigen schrittweise.
- Kontrolle: Die Reaktion während und nach dem Training hilft, den Plan anzupassen. Eine vorübergehende Besserung allein bedeutet noch keine volle Belastbarkeit.
Wann ist rasche Abklärung nötig?
Ein plötzliches Schnalzen oder Knallen, deutlicher Kraftverlust, eine tastbare Lücke oder der Ausfall einer gewohnten Bewegung können auf einen Sehnenriss hinweisen. Dann den Sport beenden und umgehend ärztlich untersuchen lassen. Bei Fieber, ausgeprägter Rötung oder rasch zunehmender Schwellung ist ebenfalls eine dringende Abklärung erforderlich.
- Universitätsspital Zürich: Ansatztendinopathie
- Universitätsklinik Innsbruck: Physikalische Therapie bei Achilles-Sehnen-Tendinopathie
- Gesundheitsportal Österreich: Sehnenriss
Informationsstand: Oktober 2026. Die Informationen dienen der Orientierung und ersetzen keine persönliche Untersuchung oder individuelle Freigabe.
Ihre Beschwerden persönlich besprechen.
Untersuchung, Befundbesprechung und ein nachvollziehbarer Plan.
